Offener Brief der SPD Ludwigslust-Parchim

Keine Schließung der Kinderstation in Parchim sowie der Gynäkologie und
Geburtsstation der Krankenhäuser Crivitz und Parchim!
Erhalt der Krankenhausstrukturen im Landkreis Ludwigslust-Parchim!
Offener Brief an die Verantwortlichen Akteure

Absender:
SPD Kreisverband Ludwigslust-Parchim, SPD-Kreistagsfraktion Ludwigslust-Parchim, SPD-Fraktion Parchim,
SPD-OV Parchim, SPD-OV Crivitz sowie alle weitere SPD-Ortsvereine des Landkreises Ludwigslust-Parchim,
Frank Junge, MdB, Christian Brade, MdL, Elisabeth Aßmann, MdL, Dirk Friedriszik, MdL

Mit großem Unverständnis und Ärger haben wir, wie viele andere, aus der Presse erfahren, dass hinter
dem Rücken des Landkreises, der beteiligten Kommunen und der betroffenen Beschäftigten die
Schließung der Geburtsstation am Krankenhaus Crivitz bereits zum 31.12.2019 beschlossen wurde.
Gleichzeitig wurde für das Krankenhaus Parchim das endgültige AUS der Kinderstation verkündet.
Beide Entscheidungen werden wir nicht hinnehmen!
Das Krankenhaus Crivitz hat einen hervorragenden Ruf in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Es hat bislang
immer die vorgegebenen Geburtszahlen erreicht. Daher gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, diese
Station zu schließen und nach Parchim zu verlagern!
Das Krankenhaus in der Kreisstadt Parchim hat nicht nur regional, sondern auch über die Landesgrenzen
hinaus eine wichtige Funktion für die medizinische Versorgung des Ländlichen Raums. Die Schließung der
Kinderstation ist das Ergebnis einer verfehlten Personalpolitik des Geschäftsführers der Asklepiosklinik in
Parchim und nicht, wie so oft geäußert, das Ergebnis von Fachkräftemangel und Kleinstadtverdruss bei
den Ärzten – dies bestätigt auch Prof. Dr. med. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer
Mecklenburg-Vorpommern, in einem Interview mit dem NDR.
Die Konzerne Asklepios und MediClin und leider auch der zuständige Minister für Wirtschaft, Arbeit und
Gesundheit, Harry Glawe, argumentieren mit den fehlenden Ärzten und medizinischen Fachkräften. Dabei
wird völlig verkannt, dass keinesfalls sicher ist, dass alle Ärzte und Ärztinnen, Hebammen und
Schwestern/Pfleger zu einem Wechsel von Crivitz nach Parchim bereit sind.
Im Gegenteil: Wer Entscheidungen so intransparent und ohne Einbeziehung der Beschäftigten trifft,
riskiert als Arbeitgeber, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Kliniken ganz verlassen! Die
Nachfrage am Arbeitsmarkt ist so groß, dass niemand gegen seinen/ihren Willen oder Überzeugung nach
Parchim wechseln muss. Die Verunsicherung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist jetzt schon spürbar
und unsere Sorge groß, dass mit diesem Vorgehen bereits viel Vertrauen verspielt wurde.
Auch erschließt sich uns nicht, wie das Ministerium mit Arztstellen in Parchim besetzen will, wenn es
einem Spezialisten, wie dem Asklepios-Konzern, nach monatelangem „intensivem Suchen“ nicht gelungen
ist Kinderärzte nach Parchim zu holen. Es entsteht der Anschein, dass sobald Steuergelder zur Verfügung
stehen, um defizitäre Abteilungen zu erhalten, die bisherigen Argumente des Asklepios-Konzerns nicht
mehr gültig sind, wie bspw. der Fachkräftemangel, die geringe Auslastung der Kinderstation sowie die
Argumentation, dass sich keine Ärzte finden lassen, die sich in einer Kleinstadt anstellen lassen wollen.
Die Konzernleitung verkennt auch, dass es nicht nur auf die Ausschüttung an die Aktionäre ankommt,
sondern ganz entscheidend auch auf die Unterstützung der Krankenhäuser aus den Kommunen, dem
Kreis und der Landesregierung. Wer, wie die beiden Konzerne, immer wieder von Fördermitteln profitiert,
hat auch die Pflicht, vor grundlegenden Entscheidungen zu Standortveränderungen alle Beteiligten mit
einzubeziehen!
Der in Aussicht gestellte Aufbau einer geriatrischen Abteilung in Crivitz kann kein Ausgleich für den
Verlust sein, zumal Umfang und Zeitpunkt völlig offen sind. Daher sehen wir die konkrete Gefahr, dass das
Krankenhaus Crivitz in absehbarer Zeit von der Schließung bedroht ist.
Auch für das Kreiskrankenhaus Parchim ist die Schließung der Gynäkologie und Geburtenstation in Crivitz
keine langfristige Garantie des Standortes. Es ist ganz klar davon auszugehen, dass viele werdende Eltern
schon aus Gründen der Entfernung sich nicht für Parchim entscheiden werden.
Der Landkreis braucht daher BEIDE Krankenhäuser und die werdenden Eltern brauchen an beiden
Standorten eine Geburtsstation.
Wir fordern daher
– den Erhalt der bisherigen Strukturen in Parchim und Crivitz
– keine Schaffung von Tatsachen durch die Schließung in Crivitz zum 31.12.2019
– keine Schließung der Kinderstation sowie eine Sicherung der Gynäkologie und Geburtenstation in
der Kreisstadt Parchim
– einen offenen Dialog zwischen Trägern, Kommunen und Beschäftigten
Wir begrüßen ausdrücklich, dass auf Initiative unserer Ministerpräsidentin Manuela Schwesig das Kabinett
beschlossen hat, den Wirtschaftsminister mit Nachverhandlungen zu beauftragen. Wir begrüßen auch,
dass sich der Landtag am 13.12.2019 einstimmig für den Erhalt beider Standorte und die Rücknahme der
Schließungsankündigung ausgesprochen hat. Wir erwarten, dass Herr Glawe sich nicht von den
gewinnmaximierenden Argumenten der Konzerne beeindrucken lässt, sondern alle Beteiligten für eine
Lösung an einen Tisch holt.